Meine reiterliche Laufbahn

Teil I

Ich habe auf Instagram eine Umfrage gestartet welche Art von Blogpost ich als nächstes schreiben soll. Mit Abstand vorne war ein privater Post, ein ziemlich weit gefasstes Gebiet. Zum Glück kam auch der Vorschlag einen Beitrag über meine reiterliche Laufbahn zu schreiben und ich mochte die Idee!

Pferdemädchen von Anfang an

Ich weiß es nicht mehr genau, aber ungefähr mit sechs Jahren habe ich mit dem Reiten begonnen. Ich weiß nur noch, dass meine Mutter fürchterliche Angst hatte und es mir nur erlaubt hat, weil meine beste Freundin reiten durfte und ihre Mutter für mich ein gutes Wort eingelegt hat. 
Wenn man heute darüber nachdenkt waren die Zustände katastrophal. Schulpferde die wohl nie eine Weide sahen, ausgebunden Stunde um Stunde hintereinander her laufen mussten und nur die Luft der überaus staubigen Halle einatmen konnten. Kein Wunder, dass die Pferde dort etwas, sagen wir mal "speziell", waren. Reiten gelernt habe ich dort nicht, dafür kann ich mich noch an sehr schmerzhafte Stürze gegen die Bande erinnern :)
Etwas über ein Jahr bin ich dort geritten, dann war ich erstmal geheilt von der Reiterwelt. Tatsächlich habe ich, bis ich 14 war, nicht mehr weiter auf einem Pferd gesessen.
Mit 14 kam dann auf einmal der ganz dringende Wunsch auf wieder reiten zu gehen. Ich habe eine Reitschule in der Nähe gefunden wo ich sehr zufrieden war. 

Wir sind damals in den Reitschulen definitiv durch eine andere Schule gegangen als heute. Manche Pferde waren so groß dass ich sie nicht satteln konnte, geholfen hat mir niemand. Auch Trensen und allgemein das Versorgen hat man sich irgendwie selber beigebracht. Mit dem Reiten verhielt es sich ganz ähnlich. Ich wusste am Ende wie man sich in allen drei Gangarten halbwegs auf einem Pferd hält - das wars allerdings auch.

Auch Vorlieben oder Wünsche bei bestimmten Pferden wurden ignoriert :D Wenn man im Stall ankam, stand man auf der Tafel mit dem entsprechenden Pferd eingetragen. Ich weiß gar nicht wie oft ich Baron reiten musste - einen (für mich damals) schreckhaften Wallach der vom Gemüt so gar nicht mein Typ Pferd war. Auf dem Foto oben seht ihr mich ausnahmsweise mal mit einem meiner Lieblingspferde. Leider ist mein Hirn ein Sieb und ich habe den Namen vergessen.

Manche Dinge prägen einen so sehr, dass man sie sein ganzes Leben lang nicht mehr vergisst. Auf dem Bild oben seht ihr mich mit der englischen Vollblutstute Olivia. An ihren Namen erinnere ich mich sehr gut - denn ich hatte Angst vor ihr. Ich war einfach nie der Typ für nervöse Pferde. An meinem Helm könnt ihr erkennen wie das geendet ist. Dank ihr habe ich meinen Respekt vor englischen Vollblütern bis heute nicht verloren.

Irgendwann hatte ich genug vom Schulbetrieb und habe mir eine Reitbeteiligung gesucht. Der Onkel einer Freundin war Landwirt und hatte einen kleinen Pensionsstall. Dort lernte ich Aki kennen, einen 1,20m kleinen Welsh Wallach.

Aki's Besitzerin hatte zwei Pferde. Aki und ihren Araber Amir. Das erste Probereiten war eine einzige Katstrophe. Wie gesagt, ich hatte gelernt mich irgendwie auf dem Pferd zu halten, echtes reiten konnte man das allerdings nicht nennen. Aki hat das schamlos ausgenutzt und es hat nicht lange gedauert bis er angaloppierte und so lange im Kreis raste bis er mich abgesetzt hat. Und ich sag's euch - Stürze von so kleinen Ponies sind viel schmerzhafter als von großen Warmblütern :D
Offensichtlich hat weder mich, noch Aki's Besitzerin mein Unvermögen gegenüber Aki abgeschreckt, so dass ich seine Reitbeteiligung werden konnte. Leider weiß ich nicht mehr genau, wie lange ich Aki geritten bin, ich schätze es waren 1,5 - 2 Jahre. Wir sind super viel ausgeritten, sogar das ein oder andere Mal über Baumstämme gesprungen. Es war wirklich eine schöne Zeit, aber irgendwann wollte ich dann doch auch reiterlich weiterkommen. Das war bei Aki im Stall eher nicht möglich. Also habe ich mich entschieden wieder in einem Schulstall zu reiten. Diesmal aber bitte in einem wo man auch was lernen kann.

Hier, im neuen Schulstall, fühlte ich mich sehr wohl. Es gab vergleichsweise gute Pferde, Reitschüler waren keine Menschen "zweiter Klasse" und die Reitlehrerinnen gaben sich Mühe Wissen weiterzugeben. Abteilungsreiten gab es hier selten. Wir durften fast immer frei reiten, was ich aus dem Schulstall vorher gar nicht kannte. Ich war ehrgeizig und nahm viele Einzelstunden.

Irgendwann kam ein neues Schulpferd in den Stall - Amaretto. Er war bis L-Dressur ausgebildet (das war was ganz Besonderes, nicht lachen) und ein wirklich super liebes Schulpferd. Mit ihm habe ich sehr viele Einzelstunden genommen und viel gelernt. Ich weiß noch genau dass ich auf ihm das erste mal Travers geritten bin. Er war so brav und hat es einfach gemacht. Aber es kam wie es kommen musste, Amaretto wurde von einer Dame gekauft, blieb aber im Stall stehen.

Nachdem ich also Amaretto nicht mehr für Einzelstunden nutzen konnte kam Kruger. Ein großer Schimmel den ich auch sehr gerne geritten bin. Er war zwar nicht ganz so brav wie Amaretto, trotzdem kam ich sehr gut mit ihm zurecht. Mit ihm kam ich dann auch von den Ausbindern los und man konnte das was ich dort fabrizierte so langsam aber sicher auch reiten nennen. 

Und dann trat mein erstes eigenes Pferd in mein Leben.

Leider weiß ich nicht mehr genau, wo Napoleon auf einmal herkam. Ich weiß nur dass es im Stall zwei ältere Herren gab, die am Wochenende immer ausgeritten sind und dafür immer Napoleon und noch ein anderes Pferd nahmen. 
Napoleon muss damals schon 19 Jahre alt gewesen sein. Laut der Stallbesitzerin war er sein Leben lang ein erfolgreiches Turnierpferd gewesen welches bis M** (und sogar S, hier bin ich mir nicht mehr sicher) vorgestellt worden ist. Er lief nicht oft im Schulbetrieb mit, aber ich ritt ihn immer öfter. 
Vor allem im Winter war Napoleon nicht gerade einfach. Gefühlt jedes einzelne Mal ging er mit mir durch. Und damit meine ich richtiges Durchgehen. Er raste aus dem Nichts los und peste in einem Wahnsinnstempo durch die ganze Halle - ich war nurnoch Beifahrer. Übrigens bin ich deswegen sehr lange ein ängstlicher Reiter gewesen. Trotzdem mochte ich ihn.
Auch hier weiß ich nicht mehr ganz genau wie es dazu kam, jedenfalls schenkte mir die Stallbesitzerin Napoleon. Er war als Schulpferd aufgrund seines Alters und seiner gesundheitlichen Vorgeschichte einfach nicht geeignet und so kam ich zu meinem ersten Pferd. Ich hätte wirklich nicht stolzer sein können.

Mit meinem ersten eigenen Pferd wollte ich nun auch in einen Stall ziehen wo ich noch mehr lernen konnte. Also zogen wir zum Rosenhof, einem reinen Dressurstall. 
Der Stallbesitzerin, bei der ich Unterricht nehmen wollte, erzählte ich wer wir seien und auch wie weit Napoleon ausgebildet sein soll. Ich hatte das Gefühl dass sie mir das nicht wirklich glaubte. Verübeln kann man es ihr nicht. Napoleon sah doch schon etwas klapprig aus. Also ritt sie ihn um zu testen wie er sich reiten ließ und was er so konnte. Und sie war begeistert. Napoleon konnte alles! Travers, Renvers, Zick-Zack Traversalen, Serienwechseln. Ich saß an der Bande und staunte Bauklötze. Erst als sie in anpiaffierte wurde Napoleon böse und zeigte deutlich seinen Unmut - hier hatte man ihn wohl sauer geritten. Sowieso hatte Napoleon manch komische Eigenheiten. Er reagierte komplett falsch auf die Gerte und er ließ sich nicht longieren. Auch meine Reitlehrerin scheiterte daran ihn zu longieren. Er zog sie quer durch die Halle.

Wir nahmen unheimlich viel Unterricht, Napoleon bekam einen neuen Sattel und viel Beritt. Das machte sich unheimlich schnell bemerkbar. Er ging nun auch nicht mehr so häufig durch, ich blieb allerdings der verkrampfte Angsthase oben drauf. Es war mir allerdings auch klar, das Napoleon nicht ewig halten würde. Er hatte nunmal eine Vorgeschichte, aber ich wollte das so lange nutzen wie es ging.

Als Napoleon dann einen Sehnenschaden bekam machte mir mein Tierarzt schon wenig Hoffnung auf Besserung. Es war Winter und wir mussten ihn jeden Tag ein paar Minuten auf hartem Boden führen. Das war ohne Beruhigungsmittel irgendwann nicht mehr möglich. Eventuell hätte man ihn noch einmal fit bekommen, ich musste mir aber auch klar machen dass Napoleon schon älter war und sein ganzes Leben lang viel gearbeitet hatte. Ich entschied mich als einen Rentenplatz für ihn zu suchen.

Napoleon hat mich als Reiter sehr geprägt. Positiv wie negativ. Ich war sehr, sehr lange ein verkrampfter Reiter wegen ihm - dabei bin ich in der ganzen Zeit nur ein einziges Mal von ihm runtergefallen. Auch heute ist es noch so, dass ich ein bockendes Pferd tausend Mal einem rennenden Pferd vorziehen würde. 
Ich habe auf ihm aber auch sehr viel gelernt. Er war ein toller Lehrmeister der Hilfe auf den Punkt haben wollte. Mit zögerlichen undeutlichen Hilfen ist man bei ihm nicht weit gekommen.
Übrigens habe ich später rausgefunden dass er viel Vollblut in seiner Ahnentafel hatte :)

Das sollte mein nächstes Pferd nun nicht haben...ein Pony sollte es werden!